„Sternensohn – Briefe an mein entschlafenes Kind“linda-kreiss_sternensohn_cover-kl

77 Briefe hat Linda Kreiss an Ihren 2011 verstorbenen Sohn Tilman Arun geschrieben. Ein Protokoll des Unvorstellbaren und eine berührende Botschaft an jene, die Ähnliches durchmachen müssen: „Niemand ist mit seiner Trauer allein.“

22 Jahre lang zählten Angst und Hoffnung zu den ständigen Begleitern von Linda Kreiss. Mit sechs Jahren wird bei ihrem Sohn Tilman Arun Mukoviszidose diagnostiziert. Als er mit fast 28 Jahren stirbt, beginnt Linda Kreiss ihm Briefe zu schreiben. Die berührende Geschichte einer innigen Mutter-Sohn-Beziehung, die den Tod überdauert hat, kann man in Sternensohn – Briefe an mein entschlafenes Kind, erschienen im Goldegg Verlag, nachlesen.

„Viele Menschen haben Angst vor jenen, die mit dem Tod konfrontiert wurden“, weiß Linda Kreiss. „Sie fürchten sich davor, etwas Falsches zu sagen oder zu tun. Dabei gibt es etwas Falsches meiner Erfahrung nach nicht, solange es von Herzen kommt.“ Als sie erfahren, dass sie ein Kind erwarten, ist ein längerer Forschungsaufenthalt in Nepal bereits geplant, daher ändern sie die Pläne. Nach der Geburt treten sie die Reise zu dritt an. „Mein Ehemann, der Vater meines Sohnes, war mein größter Halt“, sagt die Autorin. „Die erlebten Erinnerungen waren und sind eine Quelle des Trostes.“
Die unerwartete Diagnose wird nach einem Krankenhausmarathon in Deutschland gestellt. Mukoviszidose entsteht durch einen vererbbaren Gendefekt, ist unheilbar und inoperabel. Die Ärzte geben Tilman noch höchstens sechs oder sieben Jahre. Trotz des Schocks erzählt Linda Kreiss immer wieder in ihren Briefen von Momenten des Glücks, die sie und ihr Mann mit ihrem Sohn erleben durften. „Die Auseinandersetzung mit dem Tod relativiert vieles in unserem Leben“, sagt sie, „da er die wirklich wichtigen Dinge klar hervortreten lässt.“
Eine Operation folgt auf die nächste, Rückschritte und Besserungen lösen einander ab. Tilman ist, gegen alle Erwartungen, 27 Jahre alt geworden, als seine Mutter ihn fragt, woher er die Kraft nimmt, das alles zu ertragen. Tilmans Antwort: „Das ist eben mein Leben, und dazu gehört das alles, auch das Schwere und vielleicht das ganz besonders.“ Nach einer weiteren Herzoperation wacht Tilman nicht mehr aus der Narkose auf, Hirntod infolge eines Ödems. Bis zuletzt bleiben die Eltern an der Seite ihres Sohnes. Sie handeln in seinem Sinne, als sie die Stromversorgung der Herz-Lungen-Maschine vom Netz nehmen lassen, ein unvorstellbarer Schritt. „Die Trauer um meinen Sohn ist Teil meines Lebens geworden. Sie schwelt immer und beständig unter der Oberfläche. Es gibt immer wieder Momente, da mir seine physische Abwesenheit schier unerträglich erscheint. Doch die Trauer hat ihren Raum, den ich betreten und auch wieder verlassen kann. Außerhalb dieses Raumes bin ich dem Leben wieder zugewandt.“